Biotechnologie- und Pharmaunternehmen erleben, insbesondere im Raum München und im gesamten DACH-Gebiet, ein dynamisches Wachstum. Forschung, Entwicklung und Produktion werden zunehmend digitalisiert, während Kollaborationen und Datenflüsse über Cloud-Plattformen und globale Lieferketten laufen. Dieser Digitalisierungsschub birgt jedoch erhebliche IT-Sicherheitsrisiken. Cyberkriminelle haben die Life-Science-Branche längst ins Visier genommen: So nahmen Ransomware-Angriffe auf Unternehmen der Life-Science-Branche allein im Jahr 2020 gegenüber 2019 um 485% zu [1]. Mit dem pandemiebedingten Boom an Homeoffice-Arbeitsplätzen ist die Angriffsfläche weiter gewachsen [2]. Die Folge: Mittelständische Biotech- und Pharmaunternehmen stehen vor neuen sicherheitstechnischen Herausforderungen, die es strategisch zu bewältigen gilt.
Warum Biotech- und Pharmaunternehmen im Fokus von Angreifern stehen
Unternehmen aus Biotechnologie und Pharmazie verfügen über äußerst wertvolle digitale Güter. Sie arbeiten an innovativen Medikamenten, Therapien und Wirkstoffen – also an hochwertigem geistigem Eigentum (IP), das für Konkurrenten oder staatlich gesteuerte Akteure von hohem Interesse ist [3]. Gleichzeitig fallen in Forschung, klinischen Studien und Produktion riesige Mengen sensibler Daten an (z. B. Patienteninformationen, Studienergebnisse, vertrauliche Forschungsdaten) [4]. Solche Daten sind streng reguliert und auf dem Schwarzmarkt begehrt, sei es für Betrug, Erpressung oder Industriespionage[5].
Diese Branche ist zudem eng mit der Gesundheitsversorgung verzahnt: Pharmazeutische Hersteller und Lieferanten sind Teil komplexer Lieferketten, in denen ein erfolgreicher Angriff globale Folgen haben kann [6]. Bereits die Unterbrechung einer Pharmaproduktion oder -logistik kann die Medikamentenversorgung beeinträchtigen. Ein Beispiel ist der Cyber-Angriff auf den deutschen Pharmagroßhändler AEP im Oktober 2024, bei dem Teile der IT-Systeme verschlüsselt und Lieferungen an über 6.000 Apotheken zeitweise gestört wurden [7]. Solche Vorfälle unterstreichen, wie attraktiv und potenziell lukrativ Angriffe auf diese kritische Branche sind, sei es um Lösegeld zu erpressen oder um illegitim Wettbewerbsvorteile zu erlangen.
Aktuelle Daten belegen die hohe Bedrohungslage: 70% der Biotech-Unternehmen verzeichneten in den letzten drei Jahren Cyber-Angriffsversuche, wobei insbesondere Ransomware und Industriespionage dominieren [8]. Laut einem Bericht der US-Regierung war 2020 der Gesundheitssektor insgesamt der am stärksten von Cyber-Attacken betroffene Bereich (nahezu ein Viertel aller registrierten Angriffe) – ** innerhalb dieses Sektors gilt aus Expertensicht gerade die Biotechnologie als „das schwächste Glied“** [9]. Tatsächlich gerieten während der COVID-19-Pandemie mehrere Impfstoffentwickler ins Visier von Hackern [10]. Auch in Deutschland sind Angriffe keine Ausnahme: Das Biotech-Unternehmen Evotec musste im April 2023 nach einer Cyber-Attacke alle Systeme vom Netz nehmen und den Betrieb notfallmäßig isolieren [11]. Diese Beispiele zeigen, dass Cyber-Angriffe längst in der Mitte der Branche angekommen sind – vom forschenden Mittelständler bis zum Herstellungsdienstleister.
Zusammengefasst: Biotech- und Pharmafirmen sind für Cyber-Kriminelle so attraktiv, weil Datenwert und Schadenpotenzial enorm hoch sind. Neben finanziell motivierten Gruppen (etwa Ransomware-Banden, die auf schnelle Profite aus sind) treten auch staatlich gesteuerte Akteure auf, die es gezielt auf Forschungsergebnisse und Patente abgesehen haben. Dieses Risiko wird durch den Umstand verstärkt, dass viele mittelständische Unternehmen der Branche ihre IT-Sicherheit historisch weniger priorisiert haben als Großkonzerne. Damit stehen wertvolle Assets potenziell verwundbar im Raum. Das ist eine gefährliche Kombination aus hohem Angriffswert und (oft noch) unzureichender Abwehr.
Typische Schwachstellen und Sicherheitslücken im Mittelstand
Trotz steigender Bedrohungslage gibt es in vielen mittelständischen Biotech-/Pharmaunternehmen ähnliche Muster von Schwachstellen:
Mangel an Security-Ressourcen und Expertise: Gerade im Mittelstand fehlen oft die Fachkräfte und Budgets, um umfassende IT-Sicherheit umzusetzen [12]. Viele Firmen haben keinen dedizierten CISO oder Security-Team; IT-Sicherheit wird „nebenbei“ von der IT mitbetreut, die aber im Tagesgeschäft ausgelastet ist. Eine aktuelle Studie zeigt, dass fehlende finanzielle Mittel und qualifiziertes Personal zu den größten Hindernissen für wirksame Sicherheitsmaßnahmen zählen [12]. Dennoch betreiben knapp 80% der KMU ihre IT-Sicherheit vollständig oder überwiegend in Eigenregie, trotz Fachkräftemangel [13]. Diese Diskrepanz führt dazu, dass Schutzmaßnahmen zwar als wichtig erkannt werden, aber in der Praxis lückenhaft bleiben. Oft versuchen kleine und mittelgroße Firmen, ihre Security intern zu stemmen, „ohne das notwendige Experten-Wissen und ausreichende Ressourcen, um sich tatsächlich effektiv schützen zu können“ [14]. Das resultiert nicht selten in einem reaktiven Ansatz: 21 % der Firmen setzen Sicherheitsmaßnahmen nur unregelmäßig und ohne klare Strategie um, weitere 8 % sogar erst nach einem Sicherheitsvorfall [15]. Diese Zurückhaltung, oft aus Zeit- und Kostengründen, ist riskant, zumal sich fast 30 % der Unternehmen fälschlich in Sicherheit wähnen und glauben, kein Ziel für Cyber-Angriffe zu sein [16].
Veraltete Systeme und unübersichtliche IT-Landschaften: Viele Biotech-/Pharmaunternehmen haben in den vergangenen Jahren stark expandiert. IT-Infrastrukturen wurden dabei oft organisch erweitert, aber nicht grundlegend modernisiert oder dokumentiert [17]. Das führt zu Schattsystemen und Legacy-Geräten: Beispielsweise laufen spezialisierte Labormaschinen oder Produktionsanlagen nicht selten auf veralteten Betriebssystemen, für die es keine Sicherheitsupdates mehr gibt. Darüber hinaus verlässt sich die knappe IT-Personaldecke häufig auf manuelle Prozesse, wo moderne Lösungen fehlen. So verwalten über die Hälfte der KMU laut einer Umfrage privilegierte Zugänge immer noch mit einfachen Mitteln wie Excel-Listen [18]. Angreifer nutzen solche angestaubten Routinen gezielt aus. Unsegmentierte Netzwerke sind ein weiteres Problem: Ohne klare Trennung können sich Malware oder Hacker ungehindert vom Büro-Netz bis in sensible Produktionsbereiche bewegen. Ein gedankliches Beispiel verdeutlicht das Risiko: Ohne Netzwerksegmentierung kann eine infizierte Phishing-Mail im Vertriebsbüro schlimmstenfalls bis zur Maschinensteuerung in der Produktion durchsickern, mit der Gefahr von Produktionsausfällen und Datenlecks [19]. Solche Szenarien sind kein theoretisches Konstrukt, sondern werden in der Praxis immer wieder beobachtet, wenn interne Netze über Jahre gewachsen und nicht sicher aufgeteilt wurden.
Mangelndes Sicherheitsbewusstsein (“Awareness”): Der Faktor Mensch bleibt einer der größten Unsicherheitsfaktoren. Cyber-Kriminelle zielen bevorzugt auf Mitarbeiter:innen. Durch Phishing, Social Engineering oder gezielte Betrugsmaschen, weil dies häufig der effektivste Angriffsweg ist [20]. „Meist ist noch immer der Mensch das vielversprechendste Ziel“, bestätigt Dr. Florian Skopik vom AIT Austrian Institute of Technology im Brancheninterview [20]. Entsprechend hoch bleibt die Quote der Betrugsversuche via E-Mail & Co. Ein niedriges Security Awareness Niveau in der Belegschaft erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass solche Angriffe Erfolg haben. Viele deutsche Angestellte unterschätzen Cyber-Gefahren im Arbeitsalltag; in einer Umfrage gaben 44 % an, sie fühlten sich ausreichend sicher, ein trügerisches Gefühl [21]. In Wirklichkeit passieren aber nach wie vor die meisten Sicherheitsvorfälle aufgrund menschlicher Fehler oder Nachlässigkeit. Die Sicherheitsexperten sind sich einig: Der Mensch ist „das schwächste Glied in der Kette“, und Schulungen sowie Sensibilisierung sind der Schlüssel zur Gefahrenminimierung [22]. Leider werden Awareness-Schulungen im Mittelstand oft vernachlässigt oder nur sporadisch durchgeführt.
Zunehmende Komplexität durch Wachstum und Digitalisierung: Ironischerweise bringen die Erfolgsfaktoren der Branche – schnelles Wachstum, Innovation und Vernetzung – neue Sicherheitsprobleme mit sich. Durch Cloud-Services, mobile Arbeit, IoT-Geräte in Labor und Produktion sowie die intensive Kollaboration mit externen Partnern steigt die Komplexität der IT-Umgebung erheblich [23]. Jede neue Technologie und jede Schnittstelle bietet potentiell eine neue Angriffsmöglichkeit, die adressiert werden muss. Viele mittelständische Unternehmen kämpfen hier mit Überforderung: Cloud-Infrastrukturen oder das Einbinden von Dienstleistern sprengen oft die bisherigen Sicherheitskonzepte. Ohne eine ganzheitliche Strategie fällt es schwer, den Überblick über alle digitalen Türen und Fenster zu behalten. Verschärfend kommt hinzu, dass Regulatorik und gesetzliche Anforderungen an die IT-Sicherheit zunehmen, etwa durch die EU-Richtlinie NIS2 oder den kommenden Cyber Resilience Act, die auch Pharmaunternehmen zu Mindeststandards verpflichten [24]. Für Firmen ohne dediziertes Security-Team sind diese Vorgaben oft kaum aus eigener Kraft zu bewältigen. Insgesamt navigieren viele Mittelständler daher in puncto Cyber-Sicherheit noch im Blindflug.
Zwischenfazit: Zahlreiche mittelständische Biotech-/Pharmafirmen verfügen über eine fragile Sicherheitslage. Budget- und Personalmangel, legacy IT-Strukturen, unzureichende Sensibilisierung und die Schnelllebigkeit der Digitalisierung führen zu einem Misalignment zwischen Bedrohung und Abwehr: Die Gefahr ist akut, doch Abwehrmaßnahmen hinken hinterher. Die gute Nachricht ist, dass sich das Risiko mit einem gezielten, strategischen Ansatz erheblich senken lässt.
Strategische Maßnahmen für mehr Cyber-Resilienz
Entscheider in Biotech- und Pharmaunternehmen sollten IT-Sicherheit als Chefsache und langfristige Investition betrachten – vergleichbar mit Qualitätssicherung oder Compliance. Der Aufbau einer resilienten Sicherheitsarchitektur erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der Technologie, Prozesse und Menschen einschließt. Bewährte Maßnahmen zur Verbesserung der Cyber Security in diesen hochkritischen Wirtschaftssektoren umfassen insbesondere folgende Punkte:
Regelmäßige Angriffstests (Penetrationstests & Red Teaming): Proaktive Offensive Security-Tests decken Schwachstellen auf, bevor es Angreifer tun. Bei Penetrationstests prüfen Ethical Hacker Systeme und Anwendungen gezielt auf Schwachstellen; bei Red-Teaming-Übungen wird ein realitätsnaher Angriff simuliert, inklusive Social Engineering und physischen Eindringversuchen. So wird die ganzheitliche Erkennungs- und Abwehrfähigkeit getestet. Solche Tests bringen oft kritische Lücken ans Licht und liefern konkrete Handlungsempfehlungen zu deren Schließung. Ein zielgerichtetes IT-Sicherheitsaudit kann Unternehmen helfen, ihre größten Risiken zu identifizieren und präventive Maßnahmen abzuleiten [25]. Branchenexpert:innen raten, diese Tests regelmäßig (z. B. jährlich) durchzuführen, insbesondere nach größeren Änderungen in der IT-Landschaft.
Awareness-Schulungen und Sicherheitskultur: Da der Mensch vielfach das Einfallstor für Angriffe ist, müssen Mitarbeiter auf allen Ebenen kontinuierlich geschult werden. Security Awareness Trainings sollten Phishing-Simulationen, praxisnahe Workshops und klare Richtlinien (z. B. zum Umgang mit Passwörtern oder externen Datenträgern) umfassen. Ziel ist es, eine Sicherheitskultur zu etablieren, in der jede:r Mitarbeiter:in potenzielle Risiken erkennt und sich verantwortlich verhält. Nur so lässt sich menschliches Fehlverhalten, das „schwächste Glied“, stärken [22]. Regelmäßige Übungen und Erinnerungen (etwa interne Phishing-Tests) halten das Bewusstsein wach und helfen, die Erfolgsquote von Angriffen zu senken. Kurz gesagt: Informierte und sensibilisierte Mitarbeiter:innen sind eine der besten Verteidigungslinien.
Incident-Response-Planung und Notfallübungen: Kein Schutz ist zu 100 % perfekt, daher muss vorab festgelegt sein, was im Ernstfall zu tun ist. Ein Incident-Response-Plan definiert klare Abläufe, Verantwortlichkeiten und Kommunikationswege für den Fall eines Cyber-Angriffs oder Datenlecks. Wichtig ist, dass dieser Plan nicht nur auf dem Papier existiert, sondern auch regelmäßig in Simulationen erprobt wird (z. B. durch Tabletop-Exercises oder ungeplante Drill-Events). Eine gut vorbereitete Incident Response kann den Schaden erheblich begrenzen: Organisationen mit durchdachtem Notfallplan und geschultem IR-Team reduzieren die Kosten eines Sicherheitsvorfalls im Schnitt um 61% gegenüber unvorbereiteten Unternehmen [26]. Schnelles und koordiniertes Handeln, idealerweise innerhalb von Stunden nach Entdeckung eines Angriffs, minimiert Ausfallzeiten, schützt kritische Assets und kann auch regulatorische Folgen (Meldepflichten, Bußgelder) abmildern. Entscheidend ist, dass alle Stakeholder eingeweiht sind, vom IT-Team über die Geschäftsführung bis zur PR-Abteilung, um im Ernstfall an einem Strang zu ziehen.
Zero-Trust-Architektur und Netzwerksegmentierung: Traditionelle Sicherheitskonzepte vertrauen internen Netzwerken per se, ein Ansatz, der heute nicht mehr genügt. Das Zero-Trust-Prinzip lautet: „Never trust, always verify.“ Jede Anfrage, jeder Nutzer und jedes Gerät müssen authentifiziert und autorisiert werden, unabhängig vom Standort im Netz. Durch mikrosegmentierte Netzwerke und strikte Zugriffskontrollen kann ein Angreifer, der dennoch eindringt, nicht mehr frei durchs gesamte System bewegen. In der Praxis bedeutet das z. B., Entwicklungsnetze strikt vom Büro-WLAN zu trennen, oder Zugriffe auf sensible Daten nur nach Multi-Faktor-Authentifizierung und Need-to-Know zu erlauben. Netzwerksegmentierung isoliert zudem kritische Bereiche: Eine Produktionsanlage oder ein Forschungslabor sollte niemals in der gleichen Netzwerkzone hängen wie die allgemeine Office-IT [19]. Dadurch wird erreicht, dass selbst bei einer Kompromittierung der Schaden lokal begrenzt bleibt. Studien zeigen, dass Unternehmen mit implementierten Zero-Trust-Strategien im Durchschnitt deutlich geringere Vorfallskosten haben als solche ohne – im globalen Schnitt rund $1,76 Mio. weniger pro Datenpanne [27]. Für mittelständische Betriebe bedeutet Zero Trust vor allem, Sicherheitsmaßnahmen konsequent umzusetzen: keine pauschalen Administratorrechte, strenge Netzsegmentierung, Verschlüsselung von Daten und permanente Überwachung kritischer Aktivitäten.
Compliance-orientierte Security und Governance: Die Einhaltung von Sicherheitsstandards sollte nicht als bürokratische Pflichtübung verstanden werden, sondern als Rahmen, um das Schutzniveau systematisch zu erhöhen. Regulatorische Vorgaben wie NIS2 (für Betreiber kritischer Infrastruktur und demnächst auch viele Mittelständler) oder bestehende Regularien (z. B. GMP/GLP in der Pharma-Produktion, FDA-Vorgaben bei Export in die USA, GDPR im Umgang mit personenbezogenen Daten) erzwingen ohnehin technische und organisatorische Mindestmaßnahmen [24]. Diese sollten Unternehmen zum Anlass nehmen, ihr Sicherheitsmanagement ganzheitlich auszurichten, inklusive regelmäßiger Risk-Assessments, Policies, Audit-Trails und Dokumentationen. Neben der Vermeidung rechtlicher Sanktionen (hohe Datenschutz-Bußgelder oder Produktionsstopps durch Aufsichtsbehörden) geht es darum, systematische Schwachstellen zu schließen, bevor ein Angreifer sie findet. Untersuchungen belegen, dass Unternehmen mit hohen Compliance-Lücken im Schnitt über eine Million Dollar mehr Schaden pro Datenvorfall erleiden als solche mit guter Compliance [28]. Sicherheit und Compliance gehen Hand in Hand: Eine starke IT-Security reduziert das Risiko von Regelverstößen – und umgekehrt hilft die Erfüllung von Standards (z. B. ISO 27001) dabei, Sicherheitslücken strukturiert anzugehen.
Nutzung externer Security-Expertise: Angesichts knapper interner Ressourcen kann es strategisch sinnvoll sein, externe Spezialist:innen hinzuzuziehen. Ob für einmalige Projekte (etwa ein externes Penetrationstest-Team) oder in Form von Managed Security Services: externes Know-how ermöglicht auch Mittelständlern Zugang zu hochqualifizierten Expert:innen und modernster Technologie [29]. Beispielsweise überwachen MSSP-Dienstleister im 24/7-Betrieb die Systeme, detektieren Angriffe frühzeitig und unterstützen bei der Incident Response, was im eigenen Haus oft nicht leistbar wäre. Die Auslagerung bestimmter Security-Funktionen kann zudem Kosten optimieren, da keine eigene Infrastruktur und Personal für Spezialaufgaben vorgehalten werden muss [30]. Wichtig ist hierbei die Auswahl vertrauenswürdiger Partner sowie klare Absprachen (Service Level Agreements, Meldeschwellen etc.). Letztlich sollten externe und interne Kräfte verzahnt arbeiten, um ein zielgerichtetes Sicherheitskonzept umzusetzen. Der Trend geht jedenfalls dahin, dass auch kleine und mittlere Life-Science-Unternehmen verstärkt Managed Security einsetzen, um trotz begrenzter Mittel ein hohes Schutzniveau zu erreichen [30].
Die oben genannten Maßnahmen sollten nicht isoliert betrachtet werden, sondern als Bausteine einer umfassenden Sicherheitsstrategie. Jede Firma hat individuelle Risiken. Daher gilt es, zunächst die eigenen Kronjuwelen (Schutzobjekte) und größten Bedrohungen zu identifizieren. Darauf basierend kann ein mehrschichtiges Sicherheitskonzept (People, Process, Technology) implementiert werden, das zum Reifegrad und Budget des Unternehmens passt. Wichtig ist die Unterstützung und Vorbildfunktion der Geschäftsführung: Wenn CIO, CISO, CFO und CEO an einem Strang ziehen und IT-Security als integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie verankern, steigt die Chance erheblich, dass die Belegschaft und die Organisation als Ganzes Security ernst nimmt.
Fazit: Sicherheit als Erfolgsfaktor im digitalen Life-Science-Mittelstand
Mittelständische Biotech- und Pharmaunternehmen sind in einer paradoxen Situation: Sie treiben medizinische Innovationen voran und wachsen in rasantem Tempo. Genau deshalb rücken sie in den Fokus von Cyber-Kriminellen. Die hier skizzierten Herausforderungen zeigen, dass IT-Sicherheit kein rein technisches Thema ist, sondern ein strategischer Faktor für den langfristigen Unternehmenserfolg. Wer die typischen Schwachstellen kennt und adressiert, kann sein Unternehmen vor schweren Schäden bewahren. Die Umsetzung von modernen Schutzmaßnahmen wie Penetrationstests und Zero Trust erfordert zwar initial Aufwand, zahlt sich aber vielfach aus: durch weniger Zwischenfälle, geringere Ausfallzeiten und den Erhalt des wertvollen geistigen Eigentums. Zudem honorieren Kunden, Partner und Aufsichtsbehörden ein hohes Sicherheitsniveau mit Vertrauen und Reputation. Cyber-Sicherheit ist somit nicht nur Pflicht, sondern auch Kür: Sie bildet einen strategischen Pfeiler, um das Vertrauen von Patienten, Partnern und Investoren zu gewinnen[31] und die digitale Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.
Letztendlich gilt: Prävention ist besser (und günstiger) als Reaktion. Eine vorausschauende Sicherheitsstrategie, unterstützt durch erfahrene Expert:innen, klare Prozesse und geschulte Mitarbeiter:innen, macht aus einem verwundbaren High-Tech-Unternehmen ein schwer erreichbares Ziel. Damit können auch mittelständische Biotech- und Pharmafirmen die Chancen der Digitalisierung voll ausschöpfen, ohne zum Opfer moderner Cyber-Bedrohungen zu werden.
Quellen
[1] [2] Cybersecurity-Bedrohungen in der Biotechnologiebranche - BIO Deutschland
[3] [4] [5] [6] The Scope of Pharmaceutical Cybersecurity in 2024 | CybelAngel
[7] [25] Cyberangriff auf Pharma-Großhändler AEP: Auswirkungen und Lehren für die IT-Sicherheit - esko-systems
[8] [29] [30] [31] Cybersecurity trends for Biotechs in 2025
[9] [10] [11] Evotec shuts down network after cyberattack
[12] [13] [14] [15] [16] [22] KMU-Studie zur IT-Sicherheit – ein Hürdenlauf für den Mittelstand - datensicherheit.de
[17] [19] Netzwerksegmentierung: So schützt du dein Firmennetzwerk
[18] [21] Cybersicherheit in KMU: Nur 22% gut vorbereitet - Studie
[20] [23] [24] Cybersecurity in der Pharmabranche | PHARMAustria
[26] [27] [28] What is the Cost of a Data Breach in 2023? | UpGuard
